Pilotstudie zur Entwicklung einer bundesweiten Datenbank für Patient*innen des Maßregelvollzuges mit Unterbringungsgrundlage § 63 StGB

CONNECT – Durchführung einer jährlichen Stichtagserhebung für Patient:innen des Maßregelvollzuges nach § 63 StGB

Ab 2026 werden jährlich Patientendaten der nach § 63 StGB im Maßregelvollzug untergebrachten Patient:innen im Rahmen der CONNECT-Studie deutschlandweit erhoben und ausgewertet. Die wissenschaftliche Begleitung der Studie erfolgt an der Klinik für Forensische Psychiatrie der Universitätsmedizin Rostock unter Leitung von Frau Prof. Birgit Völlm. Die Studie wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert (DFG-Projektnummer VO 2685/2-1) und schließt dabei an die § 63 StGB Stichtagserhebung an, die Anfang der 2000er Jahre durchgeführt wurde. Sie orientiert sich ebenfalls an der § 64 StGB Stichtagserhebung, die bereits seit vielen Jahren jährlich klinische, rechtliche und sozio-ökonomische Daten der § 64 StGB Patient:innen erhebt.

Erfasst werden unter anderem Angaben zu Alter, Bildungs- und Lebenssituation, psychiatrischen Diagnosen, Behandlungsmaßnahmen sowie rechtlichen Rahmenbedingungen. Ergänzend werden Daten aus dem Bundeszentralregister herangezogen, um Strafrückfälligkeit nach Entlassung zu untersuchen. Alle Informationen werden in pseudonymisierter Form verarbeitet, so dass keine Rückschlüsse auf einzelne Personen oder Kliniken möglich sind.

Mit der CONNECT-Studie entsteht erstmals ein bundesweiter Überblick über die nach § 63 StGB untergebrachten Patient:innen. Zentrale Forschungsinteressen sind dabei die Entwicklung der Patientenmerkmale und der Unterbringungsdauern im zeitlichen Verlauf, die Identifikation von Faktoren, die mit Lockerungen und Entlassungen sowie mit Rückfällen in Zusammenhang stehen, sowie die Analyse gruppenspezifischer Unterschiede - beispielsweise zwischen Männern und Frauen oder von Patient:innen mit Migrationshintergrund. Dadurch leisten wir einen entscheidenden Beitrag zur Qualitätssicherung und Weiterentwicklung des Maßregelvollzugs und unterstützen die Entwicklung evidenzbasierter und wirksamer Behandlungsangebote für forensische Patient*innen. Darüber hinaus wird so das Verständnis für eine Patientengruppe gestärkt, die in der öffentlichen Wahrnehmung bislang oft im Hintergrund steht. Die Ergebnisse der CONNECT-Studie werden in frei zugänglichen Fachzeitschriften veröffentlicht und stehen damit Forschenden und der interessierten Öffentlichkeit gleichermaßen zur Verfügung. Damit schafft die Studie die wissenschaftliche Basis für eine gerechte, transparente und zukunftsfähige Versorgung im Maßregelvollzug.


Die CONNECT Studiengruppe setzt sich zusammen aus (in alphabetischer Reihenfolge):

Dörte Berthold1, Jan Bulla2, Markus Burkhardt3, Deniz Cerci8, Manuela Dudeck4, Katja Köppen8, Jürgen L. Müller5, Christian Riedemann1, Thomas Ross2, Boris Schiffer6, Jack Tomlin7, Birgit Völlm8, Peggy Walde8, and Isabell Winkler3

1 Klinik für Forensische Psychiatry, Bad Rehburg, Deutschland
2 Zentrum für Psychiatrie, Abteilung Forensische Psychiatrie und Psychotherapie, Reichenau, Deutschland
3 Professur für Forschungsmethodik und Evaluation in der Psychologie, Institut für Psychologie, Technische Universität Chemnitz, Deutschland
4 Lehrstuhl für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Ulm und Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie in Günzburg, Deutschland
5 Asklepios Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie, Schwerpunktprofessur forensische Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsmedizin Göttingen, Deutschland
6 Maßregelvollzugsklinik in Herne und Abteilung für Forensische Psychiatrie, LWL-Universitätsklinikum Bochum, Ruhr-Universität Bochum, Deutschland
7 School of Law and Criminology, University of Greenwich, London, Großbritannien
8 Klinik für Forensische Psychiatrie, Universitätsmedizin Rostock, Deutschland


Über die Verlinkungen finden Sie das Survey Manual zu der CONNECT-Studie, die Datenschutzinformationen, die Variablenliste der Studie und die Liste der Psychopharmaka.