Promotionen

Zu vergebende Promotionen

Safewards

Das Safewards-Modell ist ein Modell zur Erklärung und Prävention von Konflikten auf der Station, das
nachgewiesenerweise zu einer positiveren, gewaltfreieren Atmosphäre auf der Station beiträgt. Es
beruht auf der Analyse und dem Begegnen von Ursprungsfaktoren von Gewalt, einer deeskalierenden
Kommunikation sowie einem besseren Verhältnis zwischen Patienten und Personal. Die Einführung
dieses Modells wird bereits in vielen psychiatrischen Stationen praktiziert. Das Modell soll nun auch auf
einer Station der Klinik für Forensische Psychiatrie eingeführt werden. Die Einführung soll evaluiert
werden mit verschiedenen Fragebögen, die die Anzahl von Vorkommnissen und Zwangsmaßnahmen
sowie die Einschätzung des Personals und der Patienten zur Stationsatmosphäre evaluieren.

 

Standards in der forensisch-psychiatrischen Behandlung

Diese Doktorarbeit wird sich zunächst mit einem Review der Standards forensisch-psychiatrischer
Behandlung befassen. Hierzu wird sowohl deutschsprachige als auch insbesondere englischsprachige
Literatur herangezogen, inklusive der Empfehlungen der Antifolterkommission des Europarates. Daraus
wird ein Fragebogen entwickelt, der sowohl elektronisch als auch in Interview-Form Leitungskräften in
der deutschen forensischen Psychiatrie vorgelegt wird. Ziel ist es, Faktoren zu identifizieren, die von
einer Mehrzahl dieser Leitungspersonen unterstützt werden, und daraus z. B. Guidelines abzuleiten.

 

 


Für Promotionsinteressierte

Als forschungsaktive Einrichtung freut sich die Klinik für Forensische Psychiatrie, Studierenden Projekte für Ihre Promotion und andere wissenschaftliche Qualifikationen anbieten zu können.

Voraussetzung für die Promotion an der Klinik für Forensischen Psychiatrie sind die Bereitschaft, sich in die rechtlichen und klinischen Grundlagen einzuarbeiten und sich, sofern noch nicht vorhanden, grundlegende Kenntnisse in Forschungsmethodik, z. B. Statistik, anzueignen. Hierbei werden Sie von den Mitarbeitern der Klinik unterstützt. Ferner vermitteln wir Kontakte zu qualifizierenden Kursen. In regelmäßigen Abständen findet ein Doktorandenkolleg statt, in dessen Rahmen die Studierenden den Fortschritt ihrer Arbeit vorstellen. Sie können sich Feedback von den Mitarbeitern des Forschungsteams und anderen Doktoranden holen und sich informell austauschen. 

Das Ziel der Promotion ist auch die Veröffentlichung der Ergebnisse in einer qualitativ hochwertigen internationalen Fachzeitschrift. Zusätzlich wird eine Präsentation der Promotionsergebnisse in Form eines Posters oder Kurzvortrages auf einer nationalen und/oder internationalen wissenschaftlichen Fachtagung angestrebt. Zu geeigneten Journals und Veranstaltungen beraten wir Sie gern.

Bewerbungsunterlagen

Bei Interesse an einer Promotion können Sie sich an  Prof. Birgit Völlm wenden. Bitte senden Sie Ihre Bewerbungsunterlagen in einem Dokument als PDF an birgit.voellm@med.uni-rostock.de:

  • Anschreiben/Motivationsschreiben
  • Tabellarischer Lebenslauf

 

Finanzielle Förderung

Für Informationen zu Finanzierungsmöglichkeiten Ihrer Promotion, z.B. Konferenzbeiträge, Druck- und Reisekosten, können Sie sich gerne an uns wenden. Wir ermuntern alle Promovenden ausdrücklich, von den gegebenen Möglichkeiten Gebrauch zu machen.

Weiterführende Links

  • Allgemeine Fragen rund um die Promotion beantwortet das Promotionsbüro Promotionsbüro
  • Sprachkurse und Schreibberatung bei englischsprachigen Publikationen bietet das Sprachenzentrum Sprachkurse englisch
  • Deutsch- und Englischsprachige Kurse rund um das Wissenschaftliche Arbeiten finden Sie allgemein an der Universität Rostock Kurse Wissenschaftliches Arbeiten  oder an der Graduiertenakademie Graduierten-Qualifizierungsprogramm
  • MS Office Kurse bietet das IT und Medienzentrum der Universität MS-Office-Kurse
  • Bei Fragen zu Literaturrecherche und -verwaltung sowie zum Management von Publikationen und Forschungsdaten berät die Universitätsbibliothek Universitätsbibliothek
  • Statistische Beratung bietet das Institut für Biostatistik und Informatik in der Medizin und Alternsforschung Statistische Beratung      
  • Für Doktorandinnen Universität und Universitätsmedizin mit Interesse an einer wissenschaftlichen Karriere der bietet die Universität Rostock ein Mentoring-Programm an.                                                                                          

Literatur

  • Wie schreibe ich eine Doktorarbeit? Leitfaden für Mediziner und Zahnmediziner - Jasmin Webinger et al, 2014, Springer-Verlag Berlin Heidelberg - ISBN 978-3-642-54077-6
  • Basiswissen Medizinische Statistik - Christel Weiß, 2013, Springer-Verlag Berlin Heidelberg . ISBN 978-3-642-34260-8
  • Statistik I. Deskriptive und Explorative Datenanalyse – Thomas Schäfer, 2010, Springer-Verlag Berlin Heidelberg - ISBN 978-3-531-92446-5
  • Statistik II. Inferenzstatistik – Thomas Schäfer, 2011, Springer-Verlag Berlin Heidelberg - ISBN 978-3-531-92089-4
  • Discovering Statistics Using IBM SPSS – Andy Field, 2013, Sage Publications Ltd. - ISBN 978-9351500827
  • Discovering Statistics Using R – Andy Field, Jeremy Miles, Zoe Field, 2012, Sage Publications Ltd. - ISBN 978-1446200469

Aktuelle Promotionen

Lebensqualität bei Patienten im Maßregelvollzug (Isabella Haas).

Abstrakt:

Die Unterbringung im Maßregelvollzug dient der „Besserung und Sicherung“ von als gefährlich eingestuften psychisch kranken Straftätern. Die Rechte der dort Untergebrachten z. B. auf Freiheit, Familie, etc., werden zugunsten des Schutzes der Allgemeinheit eingeschränkt. Aus menschenrechtlichen Erwägungen heraus ergibt sich, dass diese Einschränkungen nicht umfangreicher als nötig sein sollten und dass die Lebensqualität der Untergebrachten soweit als möglich erhalten bleiben sollte. Der Maßregelvollzug sollte keine zusätzliche Strafe darstellen, sondern ein therapeutisches Milieu vorhalten, um die dort untergebrachten Patienten zu behandeln und, wenn möglich, wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Dem Konzept der Lebensqualität kommt in diesem Zusammenhang eine große Bedeutung zu. Es ist zu erwarten, dass Patienten, die ihre Lebensqualität positiver einschätzen, sich mehr auf die Therapie einlassen und ein positiveres Gesamtergebnis erzielt werden kann. Einrichtungen sollten offen der Frage gegenüber sein, wie die Lebensqualität der in ihnen Untergebrachten von diesen selbst beurteilt wird. Die Erforschung der Lebensqualität von Patienten hat in der Medizin, aber auch speziell in der Psychiatrie, und vor allem im englischsprachigen Raum, eine langjährige Tradition. Die eingesetzten Fragebögen sind aber, für im Maßregelvollzug untergebrachte Patienten, ungeeignet, da der restriktive Kontext weitegehend unberücksichtigt bleibt. Der erste krankheits- und kontextspezifische Fragebogen zur Erfassung der Lebensqualität speziell von Patienten in forensisch-psychiatrischen Einrichtungen, der Forensic inpatient Quality of Life questionnaire (FQL), wurde von 2007 bis 2009 in den Niederlanden entwickelt. Im Jahr 2015 wurde zur besseren klinischen Anwendbarkeit eine Kurzfassung (short version) des Fragebogens, die FQL-SV, erarbeitet. Ziel der Arbeit ist die Übersetzung, die Auswertung und die Untersuchung der psychometrischen Eigenschaften der FQL-SV im deutschen Kontext. Auch der Zusammenhang zwischen der Lebensqualität und den klinischen Parametern Aufenthaltsdauer und Lockerungsstufen wird wissenschaftlich untersucht. Zusätzlich wird die Korrelation der Lebensqualität und der Akzeptanz der Unterbringung beurteilt.

 

Vorhersage von Therapieabbrüchen (Lene Scheuschner).

Abstrakt:

Bei Patienten, die nach § 64, also im Zusammenhang mit einer Suchterkrankung, untergebracht sind und auch eine Gefängnisstrafe haben, besteht die Möglichkeit entweder auf Wunsch des Patienten oder auf Betreiben der Klinik den Abbruch der Maßnahme vorzuschlagen. Wenn die Strafvollstreckungskammer dem zustimmt, wird der Patient in den Strafvollzug verlegt. Für den Abbruch von Seiten des Patienten gibt es verschiedene Gründe. Möglicherweise hatte sich der Patient die Therapie anders vorgestellt oder findet sie oder die Einschränkungen der Maßregelvollzugseinrichtung zu beschwerlich. Von Seiten der Klinik wird ein Abbruch in der Regel vorgeschlagen, wenn die Therapie wenig erfolgsversprechend erscheint oder der Patient mehrfach schwere Regelverstöße begeht. Allerdings sind diese Beobachtungen anekdotisch, da es an Forschung in diesem Bereich fehlt. Ziel dieses Projektes wird es deshalb sein zu untersuchen, ob sich Prädiktoren (z. B. bestimmte Persönlichkeitsmerkmale, etc.) finden, die einen späteren Abbruch vorhersagen. Diese Information könnte zum einen dazu führen, dass bei bestimmten Patienten eine Aufnahme in den Maßregelvollzug gar nicht mehr empfohlen wird, oder, aus therapeutische Sicht wichtiger, dass Patienten mit solchen Merkmalen von Anfang an mehr Unterstützung angeboten wird, um sich besser in die Therapie einzufinden. Methodisch kann diese Studie retrospektiv durchgeführt werden, wobei die quantitativen Daten auch durch Interviews mit Patienten und Therapeuten ergänzt werden können.

 

Neuropsychologische Parameter als Verlaufsprädiktoren (Fabian Hoffmann).

Abstrakt:

Was den Verlauf der Behandlung im Maßregelvollzug beeinflusst, ist bisher nur unzureichend geklärt. Ein Faktor können kognitive Funktionen sein, wie z. B. Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Exekutivfunktionen (z. B. Planen von Handlungen). Die CANTAB (Cambridge Neuropsychological Test Automated Battery) ist die international am weitesten verbreitete neuropsychologische Testbatterie, die in einem computergestützten, interaktiven System diese Funktionen abbildet; außerdem kann die Erkennung von Emotionen abgebildet werden. Dieses Projekt wird neuropsychologische Parameter unserer Patienten mithilfe des CANTAB erheben und mit Parametern des Therapieverlaufs in Verbindung bringen.

 

Anwendung von Erfahrungen von Patienten mit dem Zimmereinschluss (Stefanie Beier).

Abstrakt:

Im Maßregelvollzug können und werden verschiedene Maßnahmen zum Umgang mit bedrohlichen Situationen zum einen und mit Regelverstößen zum anderen angewandt. Bei Androhung von Gewalt kann der Patient in einem besonders gesicherten Raum kurzfristig abgesondert werden; in Extremfällen ist auch eine Fixierung möglich. Bei der Anwendung dieser Maßnahmen müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein, bei der Fixierung bedarf es zudem einer richterlichen Anordnung. Bei Regelverstößen, die nicht zur Absonderung oder Fixierung führen, z. B. Besitz von unerlaubtem Material oder Drogen, kann ein Zimmereinschluss erfolgen, z. B. während die Situation geklärt wird und um weiteren Schaden abzuwenden. Obgleich auch diese Maßnahme für die Patienten mit gravierenden Einschränkungen verbunden ist, sind hier die Regeln bezüglich ihrer Anordnung weniger streng; auch ist nicht immer klar, ob die Maßnahme als Teil eines Gesamttherapiekonzeptes oder als Strafe angewandt wird. Noch weniger ist klar, was mit der Maßnahme letztlich erreicht wird. Das Ziel dieses Projektes ist es deshalb alle Zimmereinschlüsse der Klinik über den Zeitraum von 1 Jahr daraufhin zu untersuchen: a) wie die Entscheidung zum Zimmereinschluss zustande kam, b) wie dieser begründet wurde und c) wie lange der Zimmereinschluss dauerte und welchen Effekt er hatte. Zusätzlich können Befragungen mit Patienten und Therapeuten durchgeführt werden.

 

Restriktivität und Forensische Psychiatrie (Peggy Walde):

Abstrakt:

Forensisch-psychiatrische Kliniken sind geschlossene Institutionen, in denen e Patienten sowohl rechtlich als auch körperlich eingeschränkt sind. Die Kliniken haben hohe Mauern, verschlossene Türen und Patienten müssen sich Privilegien, wie Ausgänge, verdienen. Forensisch-psychiatrische Patienten sind aufgrund ihrer psychischen Erkrankungen und ihres kriminellen Hintergrunds mit einem hohen sozialen Stigma konfrontiert, was zu einer Marginalisierung in der Gesellschaft führen kann. Infolgedessen können forensisch-psychiatrische Einrichtungen die Autonomie, Identität und gesellschaftliche Integration der Patienten einschränken. Der ‚Forensic Restrictiveness Questionnaire‘ (FRQ – Fragebogen zu Einschränkungen in forensisch-psychiatrischen Institutionen) misst die Erfahrungen der Patienten mit Einschränkungen während ihrer Unterbringung. Der FRQ wurde in England validiert, umfasst 15 Fragen und hat gezeigt, dass restriktive Erfahrungen einen negativen Einfluss auf die Lebensqualität des Patienten und die Atmosphäre auf der Station haben. Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um den Zusammenhang zwischen Restriktionen und Behandlungsergebnissen besser zu verstehen. Die hier vorgeschlagene Studie beinhaltet die Übersetzung und Validierung des FRQ im deutschen Kontext und die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Restriktivität und anderen Parametern, wie z. B. Therapiemotivation, Gerechtigkeit, aggressive Vorfälle, Privilegien, etc. Die Methodik umfasst: 1) Fokusgruppen / Interviews mit Patienten, um ggf. Adaptierungen des FRQ im deutschen Kontext zu identifizieren; 2) Übersetzen des FRQ; 3) Piloterhebung des FRQ mit den Patienten; 4) Analyse der Beziehung zwischen dem FRQ und ausgewählten anderen Parametern.

 

Evaluation der Effekte des Sicherheits- und Deeskalationstrainings im Alltag der Klinik für Forensische Psychiatrie Rostock (Pauline Gade).

Abstrakt:

In forensisch-psychiatrischen Kliniken führen einige Faktoren zu Aggressionen, Gewalt und sozial unvereinbarem Verhalten der Patienten, meist gegenüber MitarbeiterInnen der Kliniken. In Rostock sollen diese durch das Professionelle Deeskalations-Management „ProDeMa“ besser und umfassender auf diese Situationen vorbereitet werden, um schwere Zwischenfälle und möglicherweise auftretende Folgen langfristig zu verringern. Ziel des Projektes ist es, das Deeskalationstraining über zwei Jahre zu begleiten und die Auswirkungen auf Art, Häufigkeit und Schwere von Zwischenfällen zu eruieren. Weiterhin werden die Wahrnehmung von Aggressionen und die eigene Selbstwirksamkeitserwartung der Mitarbeiter erfragt sowie die Entwicklung des Stationsklimas aus Sicht der Patienten und des Personals betrachtet. So kann ein Vergleich gezogen werden zwischen den Zeitpunkten vor, während und nach der Einführung des neuen Deeskalationstrainings. Gleichzeitig werden einige Persönlichkeitsmerkmale und soziodemografische Daten der MitarbeiterInnen erhoben und mit oben genannten Faktoren in Verbindung gebracht.

 

Implementierung und Evaluation eines Peer Support Workers im forensischen Kontext (Caroline Benz).

Abstrakt:

Peer Support Worker (Deutsch: Genesungsbegleiter), also Mitarbeiter, die selbst Erfahrungen mit psychischen Krankheiten haben, werden bereits vielfältig in verschiedenen psychiatrischen Bereichen eingesetzt, auch in der Suchtbehandlung. Sie dienen den Patienten als eine Art positives Vorbild und können die Kommunikation zwischen Patienten und Behandlungsteam optimieren. Zahlreiche Studien belegen den positiven Effekt für Patienten in Bezug auf Selbstwirksamkeit, Empowerment und Gefühl der Akzeptanz. Vieles in der Forschung mit gefangenen Patienten spricht auch für eine verringerte Rückfallrate und bessere Lebensqualität bei Patienten, die während oder nach ihrer Zeit im Vollzug Peer Support erhalten haben. Für den Einsatz von Peer Support Workern in der Forensik gibt es allerdings bisher in Deutschland keine Leitlinien und auch insgesamt wenig Erkenntnisse bzw. Konzepte zur Einführung. Die KFP Rostock bildet aktuell einen Peer Support Worker mit forensischem Hintergrund aus, der bereits ein Praktikum in der KFP absolviert hat und eventuell in Zukunft in einer Teilzeitstelle befristet beschäftigt werden soll. In einem weiteren geplanten Praktikum sollen geeignete Einsatzmöglichkeiten ermittelt und evaluiert werden. In Form einer Längsschnittstudie wird herausgearbeitet, welche Vorarbeit und Voraussetzungen für eine erfolgreiche Implementierung eines Peer Support Workers erfüllt werden müssen, welche Einflüsse der Einsatz auf Patienten, aber auch auf den Peer Support Worker selbst haben, und welche Herausforderungen die Zusammenarbeit im Verlauf mit sich bringt, wie z.B. in Bezug auf Sicherheit oder eventuelle Bedenken durch KlinikmitarbeiterInnen. Ziel ist es, das Modell der Genesungsbegleitung im Maßregelvollzug in Deutschland zu fördern und einen Beitrag zur Entwicklung von entsprechenden Leitlinien zu leisten.